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Verabschiedung

des Stellvertretenden Schulleiters Herrn StD Harald Kohl

H.Kohl 80P

„Am meisten werden mir die Schüler fehlen“, antwortete Studiendirektor Harald Kohl den Redakteuren der Schülerzeitung auf die Frage, was er wohl vermissen wird, wenn er am 01. August 2017 in den Ruhestand tritt. Dies ist nicht verwunderlich, hat er doch vom ersten bis zum letzten Tag seiner insgesamt 36 Dienstjahre am Karl-Ernst-Gymnasium seine beiden Fächer Mathematik und Physik mit großer Leidenschaft und Freude unterrichtet und war zwischen seinen Stunden an seinem Schreibtisch in E 19 immer ein sehr gerne und oft frequentierter Ansprechpartner für alle Schüler.

Harald Kohl wurde am 05. Juli 1953 in Fechenbach/Collenberg geboren und besuchte dort die Volksschule bis er 1963 an das Johannes-Butzbach-Gymnasium in Miltenberg wechselte. Nach dem Abitur 1972 studierte er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg Mathematik und Physik für das Lehramt an Gymnasien. Im zweiten Jahr seiner Studienzeit erinnerte sich die Bundeswehr wieder an ihn und zog ihn 1973 für 18 Monate zum Wehrdienst nach Hammelburg ein. Glücklicherweise konnte er das Studium während dieser Zeit trotzdem fortsetzen – ein Beweis seines ausgeprägten Organisationstalents; gleichzeitig durfte er seine mathematischen Fähigkeiten praxisnah einsetzen, indem er als Wehrpflichtiger den defizitären Barbetrieb im Offizierskasino übernahm und dort – natürlich – für schwarze Zahlen sorgte.

Nach dem ersten Staatsexamen 1979 wurde er dem Studienseminar des Dessauer-Gymnasiums Aschaffenburg zugeteilt. Im Zweigschuleinsatz unterrichtete er zunächst ein halbes Jahr am Miltenberger Gymnasium, ab Februar 1980 dann am Karl-Ernst-Gymnasium, dem er auch nach Beendigung des Referendariats im Februar 1981 als Studienrat z.A. zugewiesen wurde - auf eigenen Wunsch übrigens, was damals tatsächlich noch Berücksichtigung fand.

Bereits in den drei Jahren seiner „Probezeit“ durchlief er nicht nur das ganze Spektrum der mathematischen Unterrichtsmöglichkeiten von der 5. bis zur 13. Klasse, inklusive der damaligen Leistungskurse, sondern er unterrichte auch Physik und begeisterte zahlreiche Schüler für seine Lieblingssportart Tischtennis, die er selbst meisterhaft beherrschte. Lange Zeit war daher Tischtennis ein sehr beliebter, oft gewählter Kurs außerhalb des Pflichtunterrichts. Zu dieser Zeit noch ohne Familie, war dies nicht genug Herausforderung, so dass er schon damals bei der Gestaltung des Stundenplans mitwirkte und die Kollegstufenbetreuer bei ihren organisatorischen Aufgaben unterstützte. Sein besonderes Augenmerk galt aber der elektronischen Datenverwaltung, Computern und den Einsatzmöglichkeiten dieser neuen Technologien in der Schule. Seine Kenntnisse auf diesem Gebiet sind bis heute unerreicht und jeder SOS-Ruf aufgrund irgendeiner Störung im IT-Bereich der Schule, landete damals und landet zwangsläufig auch heute noch bei ihm. Schließlich kennt er sich schon deswegen am besten aus, weil er nicht nur zusammen mit verschiedenen Kollegen die Computerräume eingerichtet, sondern auch die gesamten Netzwerke konzipiert, aufgebaut und installiert hat.

Seine zahlreichen weiteren Tätigkeiten hier aufzuzählen wäre eine seitenfüllende Angelegenheit; es sei nur so viel bemerkt, dass sie sehr umfangreich und äußerst vielfältig waren und im Laufe seiner Dienstzeit nicht weniger wurden. Beispielhaft sei nur genannt, dass er sein unterrichtliches Engagement Zug um Zug um die Fächer Informatik, Astronomie sowie Natur und Technik erweiterte. Er war Verbindungslehrer, organisierte als Kollegstufenbetreuer die Belange der Oberstufe und dies teilweise als einziger, weil die Anzahl der 12.- und 13.-Klässler unter 100 lag. Er verwaltete die Finanzen der Schule aufs sorgfältigste und führte in vielen Stunden zusätzlicher Arbeit ein neues System der Buchhaltung ein. Durch seine Mitarbeit in allen Bereichen der Schulverwaltung wurde er zu einer unverzichtbaren und unersetzlichen Größe im Alltag des KEG, auch wenn er lieber – quasi als graue Eminenz - im Hintergrund blieb. Die Stadt Amorbach als Sachaufwandsträger konnte dank dieses kompetenten und umfänglichen Engagements auf die Verpflichtung eines kommerziellen, kostenintensiven IT-Administrators verzichten und damit ihren Haushalt finanziell entlasten.

Mit der Pensionierung von Blasius Huber im Jahr 2003 war die Funktion des ständigen Stellvertreters frei und Harald Kohl wurde in dieses Amt berufen, das er bis zum letzten Tag seiner Dienstzeit äußerst zuverlässig, kompetent und sehr engagiert ausübte. Insbesondere sein ausgeprägtes Gefühl für Fähigkeiten, Leistungsvermögen und Belastbarkeit der ihm anvertrauten Lehrkräfte war neben seinem imponierenden Organisationstalent Grund dafür, dass er von allen Kollegen und jedem Schulleiter, dessen Stellvertreter er war, hoch geschätzt wurde.

Als letzte Schulleiterin in der Reihe der Vorgesetzten von Harald Kohl kann ich das nur noch einmal bekräftigen. Er war mir immer ein sehr guter, freundschaftlicher Berater, der sich nie kopfüber in neue Projekte stürzte, sondern ganz in „Odenwälder“ Tradition Neuerungen mit kritischen Blick betrachtete und immer viel Wert darauf legte, dass Bewährtes nicht unreflektiert „entsorgt“ wurde. Hatte er aber schließlich einen Vorschlag für gut befunden, so konnte ich mir seiner uneingeschränkten ideellen und tatkräftigen Unterstützung absolut sicher sein.

Öffentliche Auftritte vor nichtschulischem Publikum absolvierte Harald Kohl ungern. Aber im kleinen Kreis zeigte er sich als erzählfreudiger, sehr geselliger Gesprächspartner, insbesondere dann, wenn es nicht um einen Kaffeeklatsch mit Süßwaren ging, sondern wenn ausreichend Deftiges angeboten wurde.Kohl 50P

Und wer meint, dass Harald Kohl im Zeitalter des G8 mit umfänglichem Nachmittagsunterricht einer der letzten „Halbtagslehrkräfte“ gewesen sei, weil er nach 13.00 Uhr nur selten hier in der Schule anzutreffen war, der irrt gewaltig. Sehr viele organisatorische Dinge, vor allem diejenigen, die Konzentration und lange, kontinuierliche Arbeit benötigten, erledigte er ungestört in Schneeberg in seinem „hauseigenen Computerraum“ oder in den Abendstunden bzw. am Wochenende in der Schule.

Damit die sportlichen Ambitionen, die er während seiner gesamten Dienstzeit stets weiterpflegte, nicht zu kurz kamen, spielte er nicht nur Tischtennis, sondern auch Fußball; er war lange Zeit Trainer für die Auswahlmannschaften des Bayerischen Tischtennisverbands und bereitete Schulmannschaften für „Jugend trainiert für Olympia“ vor. Und wenn das nicht Bewegung genug war, so ging er zumindest die zwei Kilometer von Schneeberg zur Schule und wieder nach Hause zu Fuß, bei Tag und furchtlos auch mitten in der Nacht.

Seiner grundsätzlich positiven Einstellung zu seinem Beruf und seiner Freude am Lehren ist es geschuldet, dass Harald Kohl immer gerne zusätzliche Aufgaben übernommen und diese bestens erfüllt hat, auch wenn sie ohne baren Gegenwert zu leisten waren. Seine Leidenschaft für die Digitalisierung hat ihm viele neue Betätigungsfelder eröffnet; selbst die Einführung der ASV (Schulverwaltungsprogramm) hat diese Begeisterung nur kurzfristig etwas dämpfen können, hat er doch die vielen Stolpersteine des Programms schnell als neue Herausforderung betrachtet und diese selbstverständlich gemeistert.

Ein ganz scharfer Einschnitt wird die Pensionierung für Harald Kohl wahrscheinlich nicht sein; ich könnte mir gut vorstellen, dass auch in den nächsten Monaten noch mancher Hilferuf in Schneeberg ankommen wird, der ihm ein paar Arbeitsstunden am KEG beschert.

Aber ich hoffe, lieber Harald, dass die freie, oder besser die frei verfügbare Zeit bald nicht mehr unterbrochen wird, dass du lange ausgedehnte Wanderungen und Reisen unternehmen kannst und viel Zeit für die Dinge hast, die in der aktiven Zeit zu kurz gekommen sind.

Ich danke Dir ganz herzlich für deine Loyalität und Unterstützung während meiner Amtszeit und wünsche Dir, auch im Namen des Kollegiums, alles Gute für den bevorstehenden Lebensabschnitt und beste Gesundheit. Deine Spuren wird man sicher noch lange am KEG finden können.

Ruth Bley

(Jahresbericht 2016/17)

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